Die Sehn-sucht loslassen – Oder Scheuklappen bei der Suche nach Antworten

Manchmal wacht man mit einem Gefühl auf, so eins bei dem man merkt, irgendetwas hat sich geändert. Aber zuerst eine kleine Vorgeschichte.

In den letzten Tagen waren meine Gefühle beim Aufwachen eher trübe. Keine Motivation, wenig bis keine Hoffnung, einfach scheiße. Schon seit rund zwei Wochen bewege ich mich in den düsteren Sphären einer depressiven Verstimmung. Ich bin damit konfrontiert etwas zu tun was ich bis jetzt immer möglichst vermieden habe, Bewerbungen schreiben. Für mich bedeutete Bewerbungen schreiben immer mich zu verkaufen. Ich sollte mir etwas aus den Fingern saugen, möglichst glaubwürdig, und das in die allgemein anerkannte Form bringen. Bah! Sklaverei!

Aber dahinter stecken natürlich ganz andere Sachen. Wie soll man sich für etwas begeistern von dem man denkt man könnte es nicht? Oder man nicht weiß wofür man eigentlich brennt… Das war mein Dilemma seit… na schon in der Schule. Ich habe im Grunde nur die Oberstufe besucht und Abi gemacht weil ich in der 10. Klasse nicht wusste was ich stattdessen hätte machen sollen. Geschadet hat es nicht. Mit einem Abitur hat man schon tolle Möglichkeiten. Zu viele machen einem die Auswahl seiner zukünftigen Tätigkeit allerdings auch nicht leichter. Als es dann auf das Ende meiner Schullaufbahn zuging stand ich wieder vor dem Problem, was sollte ich denn danach machen?

Eine Suche beginnt

Und so fing ich an, nach dem zu suchen was mich begeistert. Meine Leidenschaft freizulegen. Allerdings habe ich, das weiß ich jetzt, einen entscheidenden Fehler gemacht – ich versuchte es mit dem Verstand!

Mittlerweile sind – lass mich grob nachrechnen – 13 Jahre vergangen. Und gefühlt bin ich einer Antwort genau so nahe wie bei meinem Abitur. Mein großes Dilemma – ich interessiere mich einfach für zu viele Dinge. Ich möchte meine Ausbildung in der Informatik jedoch nicht missen. Dort habe ich mich zum ersten Mal gesehen und zuhause gefühlt. Programmieren macht mir einfach Spass. Doch nachdem ich beim Studium gefühlt alle paar Wochen auf meiner Couch saß und keinen Sinn in allem sah, habe ich mich letztlich abgewandt um Antworten zu finden. Das habe ich jetzt über drei Jahre getan. Ich habe viel über mich erfahren, habe aber auch in allen Winkeln und an jeder Ecke nach Antworten gesucht. Bin ich nun plötzlich erfolgreich? Schön wär’s… Der innere Zweifler hat es bis jetzt immer geschafft mich von all meinen Versuchen etwas anzufangen erfolgreich abgehalten. Immer wieder dachte ich mir – jetzt! Da! Das ist es! – nein, wieder nicht… und die Suche begann von vorne. Ich vernachlässigte im Grunde alles um mich herum. Ich war so fixiert darauf eine Antwort zu finden, endlich anzukommen… Ich kaufte jedes Buch und machte jeden Test, der mich meiner Berufung und einer Antwort näher bringen sollte. Und ich war jedes Mal enttäuscht wenn ich einfach keine Antworten fand. Es zeigten sich Tendenzen, aber der Beruf kam nie dabei heraus.

Ich verglich meine Suche nach meiner Berufung einmal mit der Suche anderer Leute nach dem Lebenspartner. Das Problem hatte ich – Gott sein Dank! – nie. Ich war auch immer zu sehr mit mir beschäftigt, als dass es mich ernsthaft interessiert hätte wer da nun an meiner Seite ist. Ich probierte es einfach aus. Und ich bin selten Single gewesen *lach*. Da kam mir schon die Frage, warum klappte es mit den Männern, mehr oder weniger, aber nicht mit einem Beruf, wenn es schon nicht gleich die Berufung war? Um mich herum suchten meine männlichen Freunde verzweifelt nach ihrer Traumfrau. Ich stand meist kopfschüttelnd daneben, wie konnte man sich denn so auf die perfekte Frau versteifen? So würden sie jedenfalls keine finden. Irgendwann fiel mit dann mal auf, dass ich mit meiner Berufung genau dasselbe tat. Ich schaffte es nur nicht davon wegzukommen, genau so wie meine Freunde nie den Gedanken an ihre Traumfrau aufgaben. Irgendwo musste es doch den perfekten Job, die perfekte Frau geben! Eieiei…

Die Gefahr des Tunnelblicks – oder Fixierung fressen Seele auf

Wenn ich nun schon an diesem Punkt bin… noch eine kleine Geschichte, bei der ich sehen durfte, was es mit einem macht wenn man sich nur auf eine einzige Sache im Leben konzentriert. Ich hatte mir ein neues Handy bestellt…

Ja, es ist tatsächlich so traurig wie es klingt. Ich habe mich selbst gefragt was eigentlich mit mir los ist. Es lief folgendermaßen: Mitten in einer Nacht im Dezember gab ich die Bestellung für mein neues Handy auf. Einen wirklichen Unterschied zu meinem vorherigen Gerät gab es jetzt nicht. Ja, tolle neue Kamera und viele Spielereien, die mir nicht wichtig waren. Die Kamera hatte es mir jedoch angetan. Ich freute mich so sehr endlich bessere Fotos zu machen, dass ich es einfach nicht erwarten konnte bis es endlich so weit war. Ich schoss keine Fotos mehr, ich würde das ja bald besser können. Ich hoffte jeden Tag auf die Versandbestätigung und das Klingeln an der Tür, das die lang ersehnte Ankunft ankündigen würde. Es dauert eine Woche bis die Versandnachricht eintrudelte. Wie lange ich danach gewartet habe weiß ich gar nicht mehr. Ich glaube es war maximal eine Woche. Es war die Hölle. Es ging irgendwann so weit – und ich weiß dass das Warten auf die Handy-Lieferung der Grund war – dass ich heulend in meinem Bett lag, nicht etwa weil ich mein neues Spielzeug immer noch nicht hatte, nein, weil ich mich auf einmal allein und verlassen fühlte. Meine Freunde kümmerten sich um mich und versicherten mir ich wäre nicht alleine, es hatte keinen Zweck. Ich kam mir vor wie der letzte Mensch auf diesem Planeten.

Was war denn da passiert? Ich komme mir immer noch absolut bescheuert vor wenn ich an diese Zeit denke. Aber eigentlich ist es kein Wunder was damals passierte. Ich hatte mich einfach viel zu weit von mir selbst entfernt. In meinen Gedanken gab es nichts anderes mehr als das neue Handy. Alles war danach ausgerichtet. Mich selbst hatte ich dadurch völlig verloren und genau so fühlte ich mich auch. Als ich wieder zu mir und in meine Mitte fand wurde alles wieder normal – nachdem mein Handy endlich da war *zwinker*.

Was wollte ich nochmal sagen – ach ja

Dieselbe Fixierung legte ich bei meiner Berufung an den Tag. Auch als ich das wusste – und halbwegs bewusst war mir das schon die letzten sechs Jahre –  schaffte ich es nicht mich davon zu lösen. Ich war zu fest davon überzeugt, dass ich einfach nur meine Berufung finden müsste damit alles gut wird. Und immer wenn ich etwas fand und es nicht gut wurde fing ich an zu zweifeln. So schwankte ich hin und her, immer auf der Suche nach Antworten die ich niemals fand.

Mit welchem Gefühl bin ich dann heute morgen aufgewacht? Habe ich endlich die Antwort gefunden die ich so lange gesucht habe? Wär toll oder? *lach* Nein, diese Antwort habe ich nicht gefunden, aber etwas wesentlich besseres – ich konnte loslassen! Das was mir all die Jahre nie geglückt ist, scheint über Nacht tatsächlich geschehen zu sein. Ich denke das Ganze ist noch sehr fragil und ich muss aufpassen, dass ich nicht gleich wieder in die Falle rutsche, aber für’s erste ist es ein tolles, freies Gefühl.

Seit fast einem Jahr übe ich mich nun im loslassen. Im sein lassen, im akzeptieren. Ohne diese Praxis hätte ich die Trennung von meinem langjährigen Partner nicht so gut überstanden, geschweige denn überhaupt durchziehen können – bedenkt man was das für mich bedeutete… ich wäre niemals dort, wo ich heute in meinem Leben stehe. Und all das habe ich mir selbst zu verdanken! Jawohl! Darauf bin ich stolz, auch wenn ich niemals meine Freunde dabei vergesse die immer für mich da sind und mich durch mein Leben begleiten. Ohne meinen Einsatz wäre jedoch nichts passiert.

Was hat sich nun geändert? Ich muss keine Berufung mehr finden. Ich darf einfach das machen was mir Spass macht und mich ausprobieren. Ich darf einfach Bewerbungen schreiben, ohne gleich das Gefühl zu haben mein Leben wäre mit dem Antritt eines Jobs zu Ende. Denn ich weiß, alles was man anfängt darf man auch wieder beenden – egal ob es fertig ist oder nicht.

gelöste Grüße

deine Feruna

Ein Kommentar

  1. Sascha Herz

    Liebe Feruna,
    ich habe mir gerade deinen Text durchgelesen.Er hat mich sehr angesprochen,da ich vieles kenne,was du beschrieben hast.Am meisten inspiriert mich dein „Name“….Phasentänzerin…das trifft es für mich auf den Punkt…..alles ändert sich ständig..in allen Bereichen…Alles immer „nur“ eine Phase…..Das „Eine“.Letztendliche gibt es einfach nicht….vielleicht auch damit verbunden eine Art Sicherheit……Vielen Dank für dein mitteilen.

    herzlichst
    Sascha

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