Autismus als Extremform von Hochsensibilität?

Vorhin begegnete mir auf Facebook ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung der mir mal wieder ein, „Hab ich’s doch gewusst!“ entlockte. Worum geht es in diesem Artikel? Es geht um Autismus, und einen Hirnforscher der sich auf die Suche nach einer Antwort macht. Denn seinem Sohn wird Autismus diagnostiziert, obwohl das typische Indiz, die angebliche Empathielosigkeit, so nicht zutrifft. Er forscht also nach, ob Autismus durch Fehlzündungen von bestimmten Gehirnzellen entsteht, wie ein Kollege von ihm annahm.

Nervenzellen können Signale verstärken oder schwächen. Den Impuls, eine Kobra zu tätscheln, sollte ein gesundes Gehirn hemmen. Liegt hier das Problem? Zellen, die nicht hemmen?

Sie stürzten sich in die Arbeit, unternahmen Versuche mit autistischen Ratten, testeten deren hemmende Hirnzellen, Tag für Tag, über Jahre. Nichts. Markram wollte hinwerfen. Da sagte seine Mitarbeiterin Tania Rinaldi Barkat: Was ist denn mit dem Gegenpart? Den Zellen, die Signale verstärken?

Treffer. Diese waren bei den Ratten Hochleistungszellen, unglaublich lernfähig, Signalautobahnen, die Eindrücke rasten nur so. Markram konnte es kaum fassen: Autisten spürten nicht zu wenig, sie spürten zuviel. Ihr Rückzug ist nicht die Krankheit – er ist die Reaktion!

Für mich steht hier klar die Verbindung zur Hochsensibilität. Denn was macht die Hochsensibilität aus? Die erhöhte Reizaufnahme! Leise Geräusche die als zu laut empfunden werden. Berührungen die als unangenehm empfunden werden, obwohl sie kaum zu spüren sind. Licht, Gerüche, die Liste lässt sich mit jeder Sinneswahrnehmung beliebig fortsetzen.

Da wird jede unbekannte Situation zur absoluten Herausforderung, die danach für den Rest des Tages Ruhe fordert. Auch wenn an einer Situation augenscheinlich nichts besonders anstrengendes zu entdecken ist, kann sie einen derartigen Stress verursachen, da alle Sinne auf vollen Touren laufen, um die Situation richtig einschätzen zu können. Das führt dann auch zu einem derartigen Overflow, dass man kaum noch reagieren, geschweige denn klar denken kann und nur noch durch die Situation durchgeschleust wird. Sonst so fix im Denken und Probleme lösen, kommt man sich in solchen Momenten absolut dumm und unfähig vor. Es wundert mich also nicht, wenn Menschen, von der Wissenschaft als Autisten abgestempelt, keine andere Chance haben, als sich in sich selbst zurückzuziehen. Die auf einen einprasselnden Reize sind einfach zu viel. Zu viel Empathie, zu viel Wahrnehmung, zu viel Denken und in keinster Weise ein zu wenig!

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