Das Wesen der Angst

Es herrscht die Annahme, Angst warnt uns vor Gefahren und rettet damit Leben. Was, wenn dem gar nicht so ist?

Jeder von uns hat Ängste. Der eine mehr, der andere weniger. Am Ende tun sie bei uns allen dasselbe, sie halten uns davon ab etwas bestimmtes zu tun. Die Angst lässt uns nicht diese dunkle Gasse nach dem Kino entlang gehen und uns den Kopf abwenden, wenn unser Schwarm versucht uns zu küssen. Sie lässt uns zuhause hocken, anstatt einkaufen zu gehen oder den Menschen anrufen, den wir so lange vermissen.

Ist Angst also hilfreich? Wie wollen wir das erkennen, wenn wir immer gleich zurückschrecken und den Angst besetzten Weg niemals probieren? Es ist nicht möglich. Wir verlassen uns auf etwas, das man uns erzählt hat als wir zu klein waren, um es selbst zu prüfen. Wir haben es einfach hingenommen, als Wahrheit, auch wenn wir es hier eher mit einem Glaubenssatz, als mit einer Tatsache zu tun haben. Ja, ich weiß dass ich mich mit dieser Aussage extrem weit aus dem Fenster lehne. Aus dem einfachen Grund, ich habe eine andere Erfahrung gemacht. Und ich möchte betonen, dass es hier um eine bestimmte Form von Angst geht, die sich von unserer instinktiven Angst vor Gefahren unterscheidet. Es ist nicht die Angst gemeint, die einen überfällt, wenn man alleine im halbdunkel im Wald unterwegs ist und ein Zweig knackt, oder wir auf einer einsamen, schlecht beleuchteten Straße, einen Blick im Nacken spüren. Diese ist wohl durchaus berechtigt.

Angst als Hemmschuh

Ich bin, und kann bald hoffentlich sagen ‚war‘, immer sehr ängstlich. Ich habe mich also von sehr vielen Dingen in meinem Leben abhalten lassen. Einfach nur, weil ich gelernt hatte, der Angst aus dem Weg zu gehen. Mein Kredo lautete also, wenn du Angst hast, nimm einen anderen Weg. Hauptsache weg. Bin ich dadurch nun glücklich, zufrieden und erfolgreich? Mitnichten. Ich bin verängstigt und traue mir fast nichts zu. Erstaunlich in Anbetracht meiner Ausstrahlung und Offenheit, mit der ich auf jeden zugehe. Wenn ich sage, wieviel Angst ich eigentlich habe, ernte ich jedes Mal erstaunte Blicke. Tja, Angst ist halt nicht unbedingt offensichtlich. Angst ist unangenehm. Wir schrecken vor ihr zurück und hoffen sie verschwindet. Aber sie bleibt und wächst. Wenn wir uns ihr nicht entgegen stellen, wird sie immer größere Bereiche unseres Lebens einnehmen und besetzen. Wenn wir allerdings beginnen, uns nicht mehr abzuwenden und die angst genau zu fühlen, können wir erkennen, dass sie auch nur ein Gefühl ist und nichts vor dem man sich fürchten müsste.

Seit einiger Zeit nun bin ich dabei, meine Ängste und andere negative Emotionen aufzulösen. Das gelingt mir immer besser und ich fühle mich auch immer freier. Dieser Beitrag ist auch ein Resultat davon. Ich hätte es nicht gewagt, solch eine Behauptung aufzustellen und so einen provokanten Beitrag zu verfassen. Es könnten ja schlimme Dinge geschehen. Welche das sein sollen, hat mein Gehirn mir allerdings immer vorenthalten. Also präsentiere ich heute einen anderen Blickwinkel auf unsere Ängste.

Eine neue Erfahrung

Was also bringt mich nun zu der Annahme, dass Angst eben nicht warnt und schützt? Seit gut einem Jahr versuche ich, auf meinen Spaziergängen, meinen Weg intuitiv auszuwählen. Die Richtung die positiv hervorsticht, wähle ich. Nun passiert es aber auch, dass eine Richtung sich negativ hervor tut. Also dachte ich immer bei mir, ok, Angst warnt dich, da gehst du lieber nicht lang. Ich wich also von dem oben genannten Vorgehen ab und „folgte“ der Angst. Ich konnte natürlich nie feststellen, ob dort tatsächlich etwas schlimmes auf mich wartete. Die Angst macht es mir dabei auch unmöglich, herauszufinden welcher Weg sich  angenehmer anfühlt. Sie überdeckt diese Wahrnehmung vollkommen. Um nicht der Angst zu folgen, aber auch nicht ewig rumzustehen, bis die Angst sich aufgelöst hat, wende ich mich nicht mehr von der Angst ab, sondern gehe ganz bewusst den Weg, von dem meine Angst mich abhalten will.

Jetzt bekam ich die Chance, mir diesen Prozess genauer anzusehen. Ich ging durch den Wald, wie immer. An einer Gabelung galt es zu entscheiden, wie mein weiterer Weg sein würde. Der Linke machte keinen positiven Eindruck auf mich. Der Andere löste zusätzlich noch Angst in mir aus. Ich beschloss daher, meiner Angst nicht nachzugeben, sondern sie zu fühlen und sich so auflösen zu lassen. Ich ging weiter den Weg, von dem meine Angst mich fern halten wollte. Wie erwartet, löste sich die Angst nach einigen Schritten auf und das einzige was mir begegnete, war ein Haufen Kinder nebst Erziehern. Wirklich furchterregend! Meine Angst hatte sich also alles andere als bestätigt. Im weiteren Verlauf meines Spaziergangs, konnte ich dann wieder dem Positiven folgen. Das sorgte dafür, dass ich auf eine Spaziergängerin traf, der ich sehr lange nicht begegnet war. Wir liefen ein Stück gemeinsam. Zu diesem Teil des Weges wäre ich nie gekommen, wenn ich meiner Angst nachgegeben hätte und der alternativen Route gefolgt wäre.

Ein weiteres Ereignis bestätigt meine Vermutung, dass Angst mich nicht schützt, sondern einschränkt. Auch dieses Mal war ich im Wald unterwegs und entschied mich intuitiv für einen Weg, den ich sehr lange nicht genutzt hatte. Es war einfach der positivste Weg in diesem Moment, was eine Minute später durchaus hätte anders sein können! In diesem Moment, war es jedoch meine beste Wahl. Die Alternativen dagegen waren nicht negativ besetzt! Das ist hier ein ganz wichtiger Punkt. Sie waren sozusagen neutral. Dieser besagte Weg, läuft also parallel zu einem weiteren Weg, auf dem ich kurz darauf eine Person bemerkte, der ich zu diesem Zeitpunkt nicht begegnen wollte. Ich hatte eindeutig keine Angst gehabt, den Parallelweg zu nehmen, der eine war mir nur deutlich sympathischer und es stellte sich als die absolut richtige Wahl heraus.

Beispiele wie diese sind mir nun schon viele begegnet. Ich stelle fest, wenn wir der Angst nachgeben, nehmen wir uns die Chance neue Erfahrungen zu machen und bleiben ewig im Alten stecken.

Wer schützt uns nun vor Gefahren? Die Angst, die uns im schlimmsten Fall vom Leben selbst abhält? Oder die Entscheidung dem Positiven zu folgen?

Mich interessieren deine Erfahrungen zu diesem Thema. Hinterlasse mir doch einen Kommentar oder schreibe mir 🙂

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