Mein Anker – Symbol wider das Vergessen

Das Wichtigste was ich aus meinem Coaching mitgenommen habe, war mein Anker. Diesen zu finden hat beim Coaching einige Zeit in Anspruch genommen, denn mir wollte einfach kein passendes Bild einfallen. Zentrales Thema für mich war und ist meine persönliche Freiheit. Ich selbst zu sein, mir selbst zu folgen und genau das zu tun, was ich will.

Fliegen wie ein Vogel

Dann kam mir doch noch ein Bild in den Kopf. Vögel waren frei. Sie fliegen wohin sie wollen und wie es ihnen passt. Das Bild gefiel mir. Aber nicht der Vogel selbst wurde mein Anker, sondern die Feder. Eine Feder kann viel bedeuten. Für mich ist sie Leichtigkeit. Sie bewegt sich mit dem Wind und lässt sich tragen, wirbelt frei durch die Luft und bleibt nie lange an einem Ort. Wobei bei mir die Orte keine realen Plätze darstellen, sondern immer neue Interessen. Bei der Feder durfte es sich nicht nur um eine einfache graue oder schwarze Feder handeln. Sie musste bunt sein. Bunt wie meine vielen Gesichter und wandelnden Phasen.

Um es gleich vorweg zu nehmen, diese Feder ist immer noch wichtig für mich. Dieser Anker, der mich bei mir hält und in Momenten, in denen ich mich doch wieder aus den Augen verliere, wieder zu mir zurück holt. Mich daran erinnert, wer ich bin und was ich will. Dieses Symbol ist unbezahlbar wertvoll und wird mich zum Glück auch nie wieder verlassen.

Eine bunte Feder verziert mein Leben

Ich habe eine ganze Nacht lang wach gelegen um rauszufinden, wie ich dieses Symbol nun in mein Leben integriere. Denn es kann seine Wirkung nur entfalten, wenn ich es wirklich immer vor Augen habe. Aber wie zum Teufel sollte ich das anstellen? Ich hatte so etwas schon mal versucht. Ich hatte mir einen Anhänger gebastelt. Er hatte die Form eines Auges, dessen Pupille ein Herz war. Ich hatte ihn bunt bemalt und lange um den Hals getragen, bis ich ihn ablegte, weil ich Angst hatte er würde kaputt gehen. Als ich den Anhänger nach einiger Zeit wieder anschaute, hatte ich seine Bedeutung völlig vergessen. Ich konnte mich absolut nicht mehr erinnern, warum ich diesen Anhänger gebastelt hatte. Das wollte ich nicht noch einmal erleben.

Ich lag also im Bett und überlegte. Wie musste dieses Bild beschaffen sein, damit ich es immer bei mir haben würde? Ich trage selten Schmuck, außer meine Ringe. Und eine Feder als oder auf einem Ring wäre unpraktisch. An den Kanten könnte ich hängen bleiben, ich kenne ja mein Glück. Halskette, hatte ich versucht, war gescheitert. Meine Wohnung mit Federn zu schmücken wären ein bisschen übertrieben, vor allem würde ich wohl auch da irgendwann vergessen, warum ich meine Wohnung in jeder Ecke mit Federn behängt habe.

Die einzige Möglichkeit, die ich sah, war dieses Bild unauslöschbar auf meinen Körper zu bannen. Ein Tattoo. Ich begann das Internet auf der Suche nach Bildern von bunten Feder Tattoos und Tattoo Studios zu durchforsten. Ich wurde fündig. Ich wollte jedoch kein Motiv was es schon gab und viele Tätowierer zeichnen eh ihre eigenen Motive. Eine stelle für das Tattoo fand sich auch schnell. Ich hatte ja klare Kriterien. Es musste für mich möglichst jederzeit sichtbar sein und auch gut aussehen.

Die schlimmste Woche meines Lebens

Die Idee hatte ich an einem Wochenende. Gleich Montags machte ich mich auf den Weg zum Tattoo Studio meiner Wahl. Als der Tätowierer hörte, dass ich eine bunte Feder möchte schaute er mich kritisch an. Eine Feder, das wolle ja gerade jeder und er wäre mindestens für drei Monate ausgebucht. Ich war entrüstet. Mir doch egal was jeder will. Bin ich jeder? Hmpf. Und die Aussicht noch mindestens ein viertel Jahr warten zu müssen, versetzte mich in Panik. Bis dahin konnte es passieren, dass ich schon wieder vergessen hatte, warum ich mir das überhaupt antun wollte. Es musste so schnell wie möglich gehen.

Zum Glück gab es noch einen weiteren Tätowierer im Studio. Er hatte gerade frisch dort angefangen. Seine Arbeiten gefielen mir und ich bekam einen Termin noch in der gleichen Woche, am Samstag. Ich zeigte ihm die Bilder, die ich gefunden hatte und die mir gefielen. Er versprach mir, sich daran zu orientieren, wenn er mein Tattoo entwarf.

Ich fuhr wieder nach Hause und war die ganze Woche total aufgedreht und konnte kaum schlafen. Wie würde die Feder aussehen? Würde sie mir auch gefallen? Schließlich würde ich für den Rest meines Lebens damit rumlaufen. Es war kaum auszuhalten. Würde ich die Nadelstiche auch aushalten, wo meine Haut doch so berührungsempfindlich ist? Ich überstand die Woche irgendwie, aber auch nur gerade so. Als ich am Samstag wieder im Studio ankam und die Feder sah, war meine Nervosität schlagartig verpufft. Ich war so ruhig wie lange nicht. Das Motiv war super, die Schrift wunderschön. Sie sollte den Satz ‚How does it feel‘ zeigen. Er lenkt meine Aufmerksamkeit auf mein Gefühl, weg von meinen Gedanken.

Alles halb so wild

Das Stechen des Tattoos an sich, war dann auch halb so schlimm. Ich war glücklich und hatte die ganze Zeit ein lächeln auf den Lippen. Wenn es doch schmerzhafter wurde konzentrierte ich mich auf meinen Atem und legte eine kurze Meditation ein. Nur in den Pausen brannte die Stelle. Die Stelle ist im übrigen die Oberseite meines Unterarms. Die Feder zieht sich unterhalb des Ellbogens bis zum Handgelenk und leuchtet in blau, grün und rot. Die Feder im Header der Seite ist meiner Feder nachempfunden, im Gegensatz zu dieser aber echt und steht, strahlend blau, in meinem Schrank.

Mit Folie umwickelt durfte ich dann nach Hause. Es gab keine Probleme bei der Heilung. Die Blicke von Freunden und Familie waren Gold wert. Ich hatte nämlich niemandem von meinem Vorhaben erzählt. Meine Mutter war Anfangs nicht gerade begeistert, aber es war ja eh zu spät. Und meine Freunde waren mehr als überrascht, wären sie doch nie auf die Idee gekommen, dass ich so etwas machen würde. Schön fanden sie die Feder aber alle.

Die Qual macht sich bezahlt

Und es kam wie ich es mir gedacht hatte. Es waren vielleicht drei Monate vergangen, als ich nach einiger Zeit wieder bewusst auf meinen Arm blickte. Äh, ich hab da ne bunte Feder auf meinem Arm. Schöne Feder. Wieso hab ich eine bunte Feder auf meinem Arm?? Und ich fing an mich zu erinnern. An den Tag, als ich die Feder bekam und warum. Ich erinnerte mich an mein Coaching zurück und wofür die Feder steht. Alles fiel mir wieder ein. Die Feder hat also ihren Zweck erfüllt. Seitdem schweife ich zwar immer noch ab, aber ich komme sehr viel schneller wieder zu mir zurück.

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