Endlich wieder ichselbst! – Ein Coaching steht an

Beim letzten Mal bin ich also wieder nicht bis zum Coaching gekommen. So ist das, wenn man einfach immer vom letzten Punkt an weiter schreibt und keinen Plan hat, was am Ende wirklich drin steht. Macht die ganze Sache aber auch unglaublich spannend.

Tagesausflug

Das war das Coaching. Denn ich hatte drei Stunden zu fahren. Vorausschauend wie ich bin, plante ich noch einen Puffer ein. Man weiß ja nie was einem auf so einer langen Stecke alles begegnet. So kam ich auch eine geschlagene Stunde vor Terminbeginn an. Die Zeit vertrieb ich mir, indem ich im nahe gelegenen Wäldchen eine Runde spazieren ging. Es war ja noch früh und ich war auch gaaar nicht nervös. Hust. Kein bisschen, ehrlich!

Dann begab ich mich zum Eingang. Ich hatte mich vorher schon ein wenig umgeschaut und keine Klingel gefunden. Auch jetzt brauchte ich einige Zeit um rauszufinden, wie ich mich denn bemerkbar machen sollte. Leider kann ich mich nicht mehr erinnern, wie ich es dann tatsächlich geschafft habe. Auf jeden Fall wurde mir die Tür geöffnet.

Hausschuhe und heißer Tee

Zuerst durfte ich mir die Schuhe ausziehen und in bequeme Filzschlappen schlüpfen. Dazu gab es dann einen heißen Tee. An Tassen kann man sich so schön festhalten und die kalten Finger wärmen. Dann begann das Gespräch. Ob ich noch neue Fragen hätte, seit ich die Dokumente abgeschickt hatte? – Sicherlich, nur konnte ich mich einfach nicht mehr daran erinnern. Ich sollte sie einfach stellen, wenn sie mir wieder einfielen. Sie fielen mir nicht wieder ein, waren also wohl nicht so wichtig gewesen.

Weiter ging es mit meiner Lebensgeschichte. Mir war kein roter Faden aufgefallen, meinem Coach jedoch schon. Menschen, jede Menge Menschen tauchten dort auf. Ich hatte mich beim Schreiben eben sehr darauf konzentriert ‚wer‘, statt ‚was‘, mich im laufe der Jahre geprägt hatte. Ich hatte den Eindruck sie war ein wenig schockiert über diesen Umstand. Ich konnte daran nichts schlimmes finden und kann es auch heute noch nicht. Hat mich doch jeder Mensch, dem ich im laufe der Jahre begegnet bin, etwas gelehrt. Und die schönsten Momente sind immer die mit anderen Menschen gewesen, auch wenn ich sehr gerne alleine bin. So wies sie mich auch immer wieder darauf hin, mich auf mich selbst zu konzentrieren und nicht auf andere zu schauen. Der Hinweis war natürlich sehr nützlich, nur nicht aus dem Grund, den sieh sah.

Dann kamen wir zum Grund meiner Anwesenheit. Was wollte ich denn bearbeiten, was war das Wichtigste für mich? Ich wollte wieder ich selbst sein. Mich von den ganzen Eindrücken lösen die mich immer wieder überschwemmten, so dass ich nicht mehr wusste wer ich bin und was ich will. Andersherum, ich wollte bei mir bleiben, ich selbst bleiben. Um mich immer wieder daran zu erinnern, sollte ich mir einen Anker suchen. Ein Symbol, was für mein Anliegen steht, so dass ich dieses nicht aus den Augen verliere. Dieser Anker begleitet mich noch heute.

Viele kleine Geschichten

Ansonsten wurde natürlich viel geredet. Mein Coach erzählte Anekdoten und kleine Geschichten aus ihrem eigenen Leben, an denen ich wieder das ein oder andere für mich ableiten konnte. Wir machten noch eine Assoziationsübung. Dabei sagt man das erste was einem zu einem bestimmten Begriff in den Sinn kommt und schreibt es auf. Am Ende hat man dann einen ganzen Haufen Adjektive. Diesen Haufen fasst man dann noch zu Oberbegriffen zusammen. Bei mir standen dann am Ende Stabilität, Kreativität und Leichtigkeit auf dem Blatt. Auch waren alle Adjektive durchweg positiv gewesen, was wohl sonst nicht der Normalfall ist. Zumindest hat mein Coach das mit erstaunen angedeutet und mir einen anderen Bogen mit dieser Übung gezeigt. Da gab es tatsächlich ziemlich viel negatives.

Am Ende der Übung sagt sie also zu mir, „Wie würdest du denn eine Person finden, mit solchen Eigenschaften?“ (sie bezog sich auf die Adjektive) – Na, total sympathisch fänd ich so eine Person. „Herzlichen Glückwunsch, das bist du!“ – Schluck. Staun. Äh, cool. Ich war mehr als nur ein bisschen perplex. So sollte ich sein? Ja, ich konnte mich damit identifizieren. Das gab einen Kick für’s Selbstbewusstsein, von dem ich eine ganze Weile zehren konnte.

Aber es gab noch etwas, was mich während des Gesprächs stutzig machte und das sprach ich dann auch an. Immer wieder bekam ich zu hören, „Du bist aber fix.“ Sie meinte mein Verständnis und meine Auffassungsgabe bei der Übung und im Gespräch. Ich habe in der Vergangenheit immer wieder Situationen gehabt, in denen ich sehr schnell war. Aber es gab gefühlt mindestens noch mehr Situationen in denen ich mir langsamer als langsam vorkam. Also habe ich mich nie für besonders intelligent gehalten. Das sprach ich nun also an. Wie sie darauf käme, ich sei besonders fix und wie sie mich denn im Vergleich sehen würde, sie hatte ja genug Menschen in ihrer Laufbahn kennen gelernt. Ziemlich weit oben, meinte sie. Das musste ich auch erst einmal verdauen. Ich sollte doch nicht so dumm sein, wie ich gedacht hatte? Ich nahm das in diesem Moment einfach so hin. Näher damit beschäftigt habe ich mich erst weitaus später.

Alles hat ein Ende

Auch das Coaching ging nun, nach drei Stunden, seinem Ende zu. Und dieses überraschte mich dann erst recht. Wir hatten über einiges gesprochen, aber eigentlich keinen der Punkte auf meiner Liste wirklich nachhaltig gelöst. Ich hatte jetzt zwar meinen Anker, aber deswegen war ich ja noch lange nicht wieder bei mir selbst angekommen.

Wir kamen also zu dem Punkt, an dem Folgetermine und ein weiteres Vorgehen besprochen werden. Da eröffnet mir mein Coach: „Schön das du hier warst. Aber du brauchst mich nicht. Du weißt alles und kannst alles, ich kann dir nicht mehr weiter helfen. Wenn du allerdings mal wieder einen freundlichen Tritt in den Allerwertesten brauchst, bist du jederzeit herzlich willkommen.“ – Wie jetzt? War das erste, was mir in den Sinn kam. Gefolgt von einem, ok, wenn sie das so sagt… .  Richtig darüber nachgedacht habe ich auch erst ein Weilchen später.

Ich verließ also freudestrahlend das Haus. Ich hatte erstmal genug Input, über den ich ausgiebig nachdenken musste. Dass wir so ziemlich alles, was ich eigentlich mit dem Coaching erreichen wollte, gar nicht angesprochen hatten, war mir zu diesem Zeitpunkt jedoch gar nicht bewusst. Erstmal musste ich mich jetzt um die Umsetzung meines Ankers kümmern und schauen, wie es denn mit meinem Leben weiter gehen soll. Davon liest du dann beim nächsten Mal.

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Wie alles begann – Eine kleine Lebensgeschichte

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