Die Tücken ein hochsensibler Scanner zu sein

Bis jetzt nimmt der Scanner bei meinen Artikeln sehr viel Raum ein. Das finde ich ein bisschen unausgeglichen. Schließlich haben viele Dinge ihre Ursache in der Hochsensibilität bzw. den Wechselwirkungen zwischen HS und Vielbegabung.

Scanner, HSS, Vielbegabter

Diese drei Begriffe können durchaus synonym verwendet werden. Verschiedene Autoren nutzen diese unterschiedlichen Begriffe, wenn man genauer hinschaut scheinen sie dasselbe Phänomen zu beschreiben. So kann man sagen, dass ein Scanner oder High Sensation Seeker, einfach ein Sonderfall der Hochsensibilität darstellt. Dazu möchte ich dir diesen Link ans Herz legen. Er zeigt sehr schön auf, was man unter diesen Begrifflichkeiten versteht.

Ein Leben zwischen zu viel und zu wenig

Durch die Hochsensibilität wird alles schnell zu viel. Der Fernseher scheint zu laut, jedes kleine Geräusch stört, dann kratzt noch die linke Socke. Natürlich hört der Nachbar zur gleichen Zeit immer wieder dasselbe Lied. Der Wunsch nach Ruhe und Frieden steigt ins unermessliche und man möchte sich instant auf eine einsame Insel oder ein Kloster mitten im Wald beamen. Zu dumm, dass das Beamen noch nicht erfunden wurde.

Sofern das Wetter mit macht und es nicht in strömen Gießt, ergreife ich dann die Flucht in die Natur. Dann wandere ich ganz gemütlich durch den Wald und am Wasser entlang. Ich suche mir eine Bank aus und versuche dort, zur Ruhe zu kommen, alles Belastende los zu werden. Ich lade meine Batterien wieder auf, um genug Energie zu haben wenn ich wieder in meine Wohnung zurück komme. Ich schaffe es nur, mich ausreichend abzugrenzen und äußere Einflüsse an mir abprallen zu lassen, wenn ich genug Energie angesammelt habe. Ist dieser Energievorrat erschöpft, reicht eine Winzigkeit und ich könnte in die Luft gehen oder als Häuflein Elend in der Ecke landen. So viel zum zu viel.

Dann gibt es die anderen Tage. Ich sprühe nur so vor Energie. Ich will etwas erleben, raus, Action. Neue Eindrücke sammeln, etwas neues lernen. An solchen Tagen fange ich an, meine Wohnung umzugestalten oder suche Informationen zu potenziellen neuen Hobbys. Alles andere ist ja schon bekannt, langweilig geworden. Es muss etwas neues her. Wenn die Energie reicht, dauert dieser „Zustand“ gerne auch mehrere Tage. Oft verzettele ich mich aber maßlos.

Shopping Time

Ich wache auf und fühle mich einfach nur sauwohl und aktiv. Was soll ich heute machen? Habe ich noch genug zu lesen? Soll ich etwas basteln oder fehlen mir Materialien? Was auch immer mir in den Kopf kommt, ich will es sofort. Oft springe ich aus dem Bett, schmeiße mich in die Klamotten und sitze im Auto, bevor ich richtig darüber nachgedacht habe. Frühstück? Fehlanzeige. Das stellt sich dann später meist als tödlich raus, aber  hey, es gibt wichtigeres als seine Zeit mit Essen zu vertrödeln.

Im Einkaufszentrum angekommen, gehe ich zielgerichtet auf den Laden meiner Wahl zu. Aber stopp. Brauche ich nicht vielleicht noch einen neuen Block, oder eine Decke für’s Wohnzimmer? Mh, vielleicht finde ich dort vorne tolle Deko? Und schon saugt mein Geist alles auf, was irgendwie interessant sein könnte. Meine Wahrnehmung läuft auf Hochtouren. Wie ein Flutscheinwerfer nehme ich alles in mich auf. Energieaufwand, lieber nicht drüber nachdenken. Irgendwann komme ich doch im Bastelladen an. Dort wandere ich durch jeden Gang und schaue, was es denn eigentlich alles schönes gibt und ob etwas mein Interesse weckt. Langsam wird das Hungergefühl schlimmer. Etwas schwach fühle ich mich auch. Aber ich bin schließlich aus einem Grund hier! Also ignoriere ich das unwohle Gefühl. Keine gute Idee. Das weiß ich sehr wohl. Ich mache es trotzdem immer wieder. Ist schließlich auch schon gut gegangen. Hust. Nun gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder habe ich noch genug Energie um eine Entscheidung zu treffen, welches Buch oder Material ich mitnehmen will, oder ich bin zu keinem klaren Gedanken mehr fähig. Das ist der Moment, in dem ich dann überfordert und völlig am Ende nur noch nach Hause will.

Die Batterien sind leer

Zu Hause angekommen, schaffe ich es vielleicht gerade noch meine Einkäufe zu verstauen, bevor ich auf die Couch sinke und zu nichts mehr in der Lage bin. Ich quäle mich dann noch einmal hoch, um mir etwas zu Essen zu machen. Es muss möglichst ohne zutun essbar sein und am besten noch sofort. Danach geht es mir körperlich zwar um längen besser, aber geistig bin ich dann so erschöpft, dass ich alles was ich mir für diesen Tag vorgenommen habe, vergessen kann. Ich sorge nur noch dafür, dass ich es gemütlich habe und versuche zu entspannen. Mit etwas Glück bin ich Abends wieder fit genug, um doch noch das ein oder andere zu erledigen.

Abhilfe schaffen

Natürlich geht mir das tierisch auf den Keks, immer zwischen diesen Extremen hin und her zu schwanken. Warum macht mich so ein kleiner Ausflug von zwei Stunden so fertig und auch noch gleich für den ganzen Tag! Der Trick liegt natürlich darin, einen Mittelweg zu finden. Schön, wenn der einfach so vor einem auftauchen würde und man ihm nur noch folgen müsste. So einfach wird es wohl nie sein. Das eigentliche Problem liegt hier in der fehlenden Aufmerksamkeit für den eigenen Körper und seine Bedürfnisse. Warnsignale bekomme ich ja genug. Schwitzen, Hunger, Schwäche, fehlende Aufmerksamkeit. Mein Körper weiß sich bemerkbar zu machen. Ich muss nur besser hinhören und zwar bevor ich kurz vor dem Zusammenbruch stehe.

Wie ich das mache, beschreibe ich jedoch ein anderes Mal. Das passende Stichwort dazu lautet Achtsamkeit.

2 Kommentare

  1. Wss du da beschreibst, kenne ich auch sehr, sehr gut. Was mir das „Überleben“sichert, ohne in unerkannte Energielöcher zu versinken ist einfach ein Terminkalender. Ich muss planen und mir meine Zeit für mich fest einbeziehen, um die Kontrolle über meine Ressourcen und Leistungsfähigkeit zu behalten. Als Mutter von vier Kindern und selbst Hochsensibel und Scanner ist das für mich der einzige Anker :). Ich mag , was du schreibst, liebe Grüsse zu dir , Sylvia

    • Danke dir, Sylvia 🙂
      Dass du einen Zeitplan brauchst kann ich nachvollziehen. Bei mir ist er bis jetzt nicht notwendig, sondern sogar eher hinderlich. Es sei denn, ich habe feste Termine ^^

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